MARLY SKIN® - Hautschutz-Schaum
Das Mittel bei Hautproblemen

Priv.-Doz. Dr. med. R. Rudolph, Norderney
Einsatzmöglichkeiten eines neuen Hautschutzschaumes in der Gewerbedermatologie

Die Haut bedarf in vielen Arbeitsbereichen des besonderen Schutzes. Herkömmliche Methoden, nämlich das Tragen von Schutzhandschuhen und das Verwenden von Hautschutzpräparaten, konnten allerdings bisher in mancher Hinsicht nicht voll befriedigen. In jüngster Zeit macht ein Hautschutzpräparat von sich reden, das den Forderungen an einen optimalen Hautschutz offensichtlich schon recht nahekommt.

Bekanntlich haben Berufsdermatosen in den letzten Jahren gegenüber allen anderen Berufskrankheiten einen überproportionalen Anstieg zu verzeichnen und liegen in der Rangfolge der erstmals entschädigten Berufskrankheiten bereits an dritter Stelle. Besonders betroffen sind von dieser Tendenz die Wirtschaftszweige Eisen und Metall, Nahrungs- und Genussmittel, Bau, Feinmechanik und Elektrotechnik, vor allem aber (mit ca. 1/3 aller angezeigter Hauterkrankungen) der Gesundheitsdienst [NAU‐ ROTH].

Bekannte Hautschutzmaßnahmen

Vor diesem Hintergrund ist die Bedeutung protektiver Maßnahmen an hautgefährdenden Arbeitsplätzen schwerlich zu überschätzen. Herkömmliche Schutzmittel wie Handschuhe und Schutzpräparate in Creme- oder Salbenform haben ihre eigene Problematik. Handschuhe beeinträchtigen die manuelle Geschicklichkeit, führen durch Wärmestau zu vermehrter Handschweißbildung und Mazeration, Gummihandschuhe führen darüber hinaus durch Latex zu Kontaktekzemen gegenüber verschiedenen Gummiinhaltsstoffen bzw. zu Kontakturtikaria, z.T. mit Fernreaktionen an Augenbindehäuten. Nasen- und Bronchialschleimhaut. Außerdem ist die Schutzwirkung der Latex- und Vinylhandschuhe gegenüber verschiedenen wichtigen Arbeitsstoffen nur teilweise oder überhaupt nicht gegeben; bis zu 20 % der geprüften Handschuhexemplare können noch nicht einmal Wasserundurchlässigkeit gewährleisten [Übersicht bei STRESEMANN].

Handelsübliche Schutzcremes und ‐salben haben den Nachteil, schlecht einzuziehen, so dass mit fettigen Händen gearbeitet werden muss, was für einen Reihe von Arbeitsgängen unerwünscht ist. Trotz der unbestreitbaren protektiven Effekte diese Präparate ist ihr Akzeptanz seitens der Arbeitnehmer als eher mäßig zu bezeichnen.

Das neue Präparat

Die Einführung eines aus Frankreich stammenden und in Skandinavien schon seit längerem in Gebrauch stehenden Hautschutzpräparates in Schaumform (Markenname MARLY SKIN) stößt daher auf das besondere Interesse des Arbeitsmediziners. Das Präparat enthält Monopropylenglykol, veredeltes Stearat, Glycerol, Sorbitol, Dimethylpolysiloxan ferner Treibgase Butan/Propan, sowie Wasser.

Auf die unbehandelte Haut wird ein ca. Walnussgroßes Stück Schaum aufgetragen und verrieben, das Präparat trocknet in Sekundenschnelle an, es verbindet sich mit der obersten Hornschichtlage und ist nach etwa 4 Stunden wieder völlig von der Hautoberfläche verschwunden. Aus pharmazeutischer Sicht ist Interessant, dass der MARLY SKIN Schaum eine Mischung aus wasserlöslichen (Glycerol, Propylenglykol, Sorbitol) und wasserabweisende (Stearinsäure, Dimethylpolysiloxan) Bestandteilen enthält. Auf der Haut bildet der Schaum eine Membran in Gestalt eines zweidimensionalen Netzwerks. Die Fettsäuren-Kristallisate formen ein feinmaschiges Sieb mit kleinem Benetzungswinkel, das den Kontakt der Haut mit Wasser vollständig unterbindet. Zwischen den Maschen des Schaumsiebes bleibt der Gasaustausch der Haut jedoch unverändert, so dass kein Wärme- oder gar Schweißstau entsteht (vgl. FÜHRER). Die Beschaffenheit des Schaumes führt zu raschem Antrocknen es verbleiben keine Fettreste auf der Haut (und damit auch nicht auf den Werkstücken!) und die Hautfunktionen bleiben unbeeinträchtigt (einschließlich des Tastgefühls).

Erkenntnisstand und Erfahrungen

Für den Arbeitsmediziner stellt sich zunächst die Frage nach der günstigen Beeinflussung krankhafter Hautreaktionen, nach Schutzmöglichkeiten gegenüber physikalisch- oder chemisch‐irritativen Einflüssen, nach einer Barrierefunktion gegenüber Kontaktallergenen und Mikroorganismen, schließlich nach der Verträglichkeit, der Akzeptanz und dem eventuellen Allergisierungsrisiko.

Über die Beeinflussbarkeit von Hautfunktionen ist bislang folgendes ermittelt worden: Die Alkali-Resistenz lässt sich durch Schutzschaum statistisch signifikant steigern, gleiches gilt für die Laugen- und Säuren-Pufferungskapazität. Die hyperirritable Gesichtshaut wir unter Anwendung von MARLY SKIN Schaum weniger leicht gereizt, wie die Ergebnisse des Milchsäure-Stinging-Tests zeigen. Auch die Toleranz gegenüber Prototypen von Irritantien wie anionischen und kationischen Detergentien (Natriumlaurylsulfat bzw. Benzalkoniumchlorid) wird deutlich vergrößert. Die Barrierefunktion der Haut im Bereich der Hornschicht wird durch MARLY SKIN Hautschutz-Schaum verbessert, wie im DMSO (Dimethylsulfoxid-)Test zu erkennen ist (PLEWIG und LEHMANN, Übersicht bei VIERKE).

In verschiedenen Betrieben wurden Arbeitsschutzversuche mit MARLY SKIN unternommen. Es fällt auf, dass offensichtlich ein breites Spektrum von Berufsstoffen durch den MARLY SKIN Schaum von der Haut ferngehalten wird. Die Schaumbarriere verhindert Irritationen durch mechanische Reize (Schleifstäube, etc.) ebenso wie durch Dämpfe und Flüssigkeiten ausgelöste Hautschäden, beugt der Austrocknung durch Wasser und Fettlösungsmittel vor und wirkt sogar Protektiv gegenüber beruflichen Allergenen. Auch die bereits ekzematös veränderte Haut toleriert den Schutzschaum recht gut (gelegentlich wird über kurzfristiges Brennen nach dem Auftragen berichtet, das aber auf den Einreibeprozess zurückzuführen ist) und bei längerer Anwendung bilden sich die Handekzeme in vielen Fällen sogar zurück. Immer wieder taucht in den Erfahrungsberichten der Hinweis auf erleichterte Hautreinigung auf; das tiefere eindringen verschmutzender Berufssubstanzen wird verhindert und bei der Waschprozedur selbst kann auf aggressive Reinigungsmittel verzichtet werden. Aus dem medizinischen Bereich ist bemerkenswert, dass weder die hygienische noch die chirurgische Händedesinfektion in ihrer Effizienz durch den Schaum beeinträchtigt wird.

Bezüglich der Errichtung einer Schutzbarriere gegen Mikroorganismen liegen mittlerweile auch erste tierexperimentelle und klinische Ergebnisse vor. Unter Einsatz von Testkeimen ließ sich zeigen, dass MARLY SKIN Schaum behandelte Haut das Eindringen von Escherichia coli, aber auch von Erucella melitensis (wichtig für Veterinäre, Viehzüchter, Schäfer, Metzgerei- und Käserei-Angestellte) wesentlich erschwert bzw. ganz unterbindet. (FÄRBER und WILLE ; ROUX)

Auch für Candida albicans stellt der MARLY SKIN Stearat-Schaum eine Penetrationsbarriere dar.

Schließlich ist noch dem Problem der Verträglichkeit des Schutzschaumes nachzugehen. Im Tierversuch waren keine Toxizitätshinweise zu finden, insbesondere verliefen die klassischen Reizstofffestungen von Kaninchenauge und -haut unauffällig. An insgesamt 247 Probanden durchgeführte Langzeitepikutantests mit Stearat‐Schaum ergaben keinerlei Anhaltspunkte für ein erhöhtes Sensibilisierungsrisiko. Allerdings war dies auch nicht zu erwarten, da es sich bei den Einzelkomponenten ja nicht um neue Substanzen handelt, sondern um Verbindungen bekannt niedriger Allergenität [Übersicht bei VIERKE]. Da sich ferner gezeigt hat, dass Stearat‐Schaum keine photodynamischen Effekte (auch keinen Lichtschutzeffekt!) besitzt, ist gegen seine Anwendung auf Iichtexponierter Haut nichts einzuwenden [JUNG].